Radio Interview mit dem WDR*
admin | Februar 17, 2010Dieses Interview mit Manuel Agostinho lief schon am 3. Februar bei Funkhaus Europa. Hier schon mal die Druckversion davon.
Seit vier Jahren verzaubert Hotel Bossa Nova ihr Publikum mit europäischem Brazilian Jazz. Die Wiesbadener Formation tourt regelmäßig durch ganz Deutschland und hat mit “Surpresa” bereits ihr zweites Album veröffentlicht. Die Sängerin Liza da Costa ist stolz auf ihren portugiesischen Pass und das obwohl sie Deutschland als ihre Heimat ansieht.
Stell dich doch bitte kurz vor
Hallo, mein Name ist Liza da Costa, ich habe eine Band “Hotel Bossa Nova”, wir spielen Brazilian Jazz. Ich wohne im Raum Frankfurt, bin hier geboren in Deutschland aber meine Herkunft ist so ein bisschen gemischt. Mein Vater ist aus Indien, Goa und meine Mutter ist Portugiesin und so gab es immer zwei Gerichte zu Hause. portugiesisches und indisches Essen und das war immer sehr interessant.
Seit wann gibt es Euch?
Hotel Bossa Nova gibt es seit vier Jahren. Wir kennen uns schon sehr lange, also es gab immer Bestrebungen was zusammen zu machen und irgendwann habe ich den Wunsch gehabt auf Portugiesisch Musik zu machen. Es kam mit authentischer vor. Und so habe ich die Jungs zusammengetrommelt und wir haben geprobt und gemacht und das erste Konzert war 2005 und daraufhin kam eine super schöne Kritik in unserer Zeitung und das hat uns motiviert weiter zu machen.
Du bist mehrmals im Jahr in Portugal und warst auch schon in Brasilien. Welche Mentalitätsunterschiede sind dir im Vergleich zu Deutschland begegnet?
Hotel Bossa Nova auf der Bühne
Ich begegne oft brasilianischen Frauen, die kommen mit ihren deutschen Männern zu unserem Konzert und die erzählen mir dann: Ach, eigentlich ist es hier so kalt und die Leute sind so verschlossen und dies und das. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, weil ich weiß wie es im Ausland sein kann, mit der Wärme der Menschen und der Zugänglichkeit. Ich weiß aber auch, dass die Deutschen z.B. ein bisschen länger brauchen, aber dann unheimlich verbindlich sein können. Das kenne ich z.B. auch nicht aus Portugal.
Aber mir fällt auf, dass Du von “wir” und “uns” redest, in Bezug auf Portugal.
Ich habe einen portugiesischen Pass und darauf lege ich sehr großen Wert. Aber eigentlich bin ich schon eine deutsche Portugiesin. Das muss ich schon sagen. Ich bin hier verwurzelt, kulturell, ich habe Deutsch-Leistung gehabt. Ich betrachte dieses Deutschland als meine Heimat.
Aber es bleibt immer noch dieses eine Eckchen in meinem Herzen, Portugal. Und da fahre ich ja vier bis fünf Mal im Jahr hin und ich bin auch da. Aber ich bin immer so am hinterherhinken. Was ist jetzt los? Was ist passiert? Gibt es Konzerte? Was ist politisch passiert? Also ich hinke immer hinter her und fühle mich auch immer ein bisschen außen vor und versuche das aufzuarbeiten.
Also hin und her gerissen und ein wenig heimatlos?
Ich kann nur sagen, dass ich in beiden Ländern zwar nicht ganz dazu gehöre, aber in der Musik habe ich meine Heimat gefunden und da fühle ich mich auch wohl. Also ich kann das kompensieren durch die Musik.





